Trensen-Test

In diesem Testbericht möchte ich euch gerne einen Überblick über ein paar Trensen geben, die ich nutze. Der Fokus soll jedoch auf dem Horseware Micklem liegen, da hier doch häufig Fragen aufkommen.

Und zwar nutze ich folgende Zäume:

  • Steppenpferd Hannoversche Trense
  • Waldhausen X-Line Altea
  • BR Eston (mit und ohne kombiniertes Reithalfter)
  • Horseware Micklem Multibridle
  • dt Sattlery Uta Gräf
  • Ps of Sweden Chameleon Revolution

Die Trensen sind vom Preis her aufsteigend geordnet. Alle Trensen nutze ich in der Größe Warmblut.

Weiterhin habe ich noch einen gebisslosen Zaum von Claridge House (Krämer Pferdesport) und das Micklem kann man ja auch gebisslos reiten. 🙂

Kurz vorweg; um das Ergebnis nicht zu verfälschen, habe ich auf allen Zäumungen das gleiche Gebiss.

Fangen wir mit mit der Hannoverschen Trense von Steppenpferd an;

IMG_5815Dieses reite ich ausschließlich auf Paquito. Symphonie ist zum einen viel feiner, was die Zügelhilfen anbelangt, weiterhin hat sie ein viel zärteres Köpfchen, sodass sich diese Art von Trense für sie nicht anbietet.

Das besondere am Hannoverschen Reithalfter; es überträgt die Einwirkung vom Pferdemaul auf das Nasenbein und die Kinngrube. Der Kinnriemen sorgt, ähnlich wie der Sperrriemen, für eine ruhigere Lage der Trense im Pferdemaul. Tendenziell ist das hannoversche Reithalfter daher etwas „schärfer“ als ein konventionell englisches. Es ist UNBEDINGT immer darauf zu achten, dass die Trensen anatomisch korrekt und vor allem nicht zu eng verschnallt werden.

Die Steppenpferd Trense liegt im Preisbereich unter 100€. Das Leder ist sehr weich und auch optisch finde ich persönlich sie sehr ansprechend. Das Reithalfter ist durch das Genickstück geführt und darüber verschnallt, was ich persönlich gut gelöst finde, da bei Trensen im günstigeren Preisbereich das Reithalfter einfach nur über dem Genickstück lose liegt und gerne einmal verrutscht.

Kurzum; das Preisleistungsverhältnis stimmt absolut bei dieser Trense. Sicher kein Hightech-Produkt, aber auf jeden Fall eine gute Sache für den Einsteiger, der eine langlebige Trense sucht oder für jemanden, der einfach mal was zu wechseln haben möchte. 😉

Die Waldhausen-Trense…

… ist ebenfalls Paquitos Trense. Bei diesem Modell handelt es sich um eine Zäumung mit englisch kombiniertem Reithalfter – d.h. inkl. Sperrriemen.

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Bei dieser Trense merkt man direkt, dass sie im Preisbereich um die 100€

schon etwasbesser präsentiert. Abgesehen von dem „glizerisierendem“ Stirnriemen verläuft das Reithalfter nicht mehr im Genick, sondern wird an den Seiten mit Schnallen befestigt. Somit hat man grundsätzlich schon einmal etwas weniger „Material“ im Genick des Pferdes. Weiterhin sind bei dieser Trense die Ohren etwas ausgespart und sowohl das Nasen- als auch das Genickstück sind weich unterlegt, also man merkt; definitiv mehr Freiheit und Komfort für’s Pferd.

Alles in Allem nach meinem Empfinden eine Trense für den Turniereinsteiger oder den gehobenen Freizeitreiter, der viel Wert auf Optik legt und seinem Pferd etwas mehr Komfort bieten möchte. 🙂

Die BR Eston Trense

IMG_5818Diese Trense habe ich ursprünglich mit einem englisch kombiniertem Reithalfter bzw. Nasenstück gekauft. Das schöne; es gibt bei BR die Möglichkeit verschiedenen Trensen untereinander zu „matchen“ und Teile auszutauschen. Daher habe ich mir – uA aus optischen Gründen – zusätzlich noch einmal ein schwedisches Nasenstück gekauft, welches weiß unterlegt ist.

Die BR-Trense liegt im Preisbereich um die 150€ und ist nach meinem Geschmack auch jeden Cent wert. Das Nasenstück ist sehr breit und extrem weich gepolstert, die Qualität ist 1A und das Genickstück bietet dem Pferd extrem viel Freiheit und Komfort. Es ist ebenfalls weich gepolstert und das Pferd hat viel Ohrenfreiheit. Ich habe die Trense in Lackschwarz, mit einem lackschwarzen geschwungenen Stirnriemen. Extrem schick, aber nicht zu aufdringlich wie ich finde. Das ist natürlich Geschmacksache und die Trensen gibt es in unzähligen Ausführungen bzw. Farben.

Einziges Manko: Das „schwedische“ Nasenstück ist recht knapp bemessen und passt meinen Pferden in den letzten Löchern. Ich muss dazu sagen, dass ich aber auch zwei Dickschädel habe. 😉 Nur größer dürften deren Köpfe nicht sein, sonst würde das Nasenstück nicht passen.

Nun (endlich) zum Micklem. 😉

Gehyped wird das Mickelm ja nun schon länger. Ich selbst hatte bislang nur davon gelesen – vornehmlich Positives. Nun hatte mir mein Kooperationspartner Gege ReitSportVersand im Dezember das Micklem zugeschickt und ich durfte es nun endlich auch selbst einmal testen! 🙂

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Beim Micklem muss ich etwas weiter ausholen, da es sich doch zunächst sehr von konventionellen Zäumungen unterscheidet. Wofür das Micklem genau gedacht ist? Ganz kurz: es soll alle empfindlichen Stellen am Pferdekopf aussparen. Alles weitere könnt ihr ja bei Horseware direkt nachlesen. 😉 Das hier ist nämlich ein ehrlich gemeinter Testbericht aufgrund meiner persönlichen Erfahrungen und keine „Verkaufsveranstaltung“. Falls ihr aber Fragen habt, dann schreibt sie gerne in die Kommentare oder schickt mir eine Mail und ich beantworte diese sehr sehr gerne. 🙂

Das Unpacking; Viele Kleinteile und erst einmal totale Überforderung. 😀 Was macht man mit den ganzen Teilen und braucht man sie alle? Kann ja eigentlich nicht so schwer sein, eine Trense zusammen zu bauen… oder doch? Da das Beiheft nur auf Englisch ist und die Bilder bzgl. des Zusammenbaus etwas spärlich, muss man sich erst einmal etwas „reinfummeln“.

Ein Unpacking-Video zum Micklem findet ihr HIER. 🙂

Ich kann Euch beruhigen; man braucht tatsächlich nicht alles, was beim Micklem mitgeliefert wird… zumindest nicht auf einmal. 😉 Es gibt aber „tausende“ Möglichkeiten diese Zäumung zu verwenden; Mit Gebiss, als Kappzaum und gebisslos in 3 verschiedenen Varianten. Das mit dem „Kappzaum“ gilt allerdings nur für das Multibridle, da es über einen zusätzlichen Einschnallring am Nasenriemen verfügt.

Für die „Backenstücke“ an denen das Gebiss am Micklem befestigt wird, werden zwei Längen geliefert. Bei meinen großen Warmblütern habe ich zunächst die größeren gewählt, doch später zu den kürzeren gewechselt, damit ich das Micklem tiefer schnallen konnte, sodass das Jochbein noch freier liegt. Denn das ist ja auch Sinn und Zweck der Passform des Micklems.

Der erste Eindruck; Weiches Leder, gute Verarbeitung, nicht Weltklasse, aber keine Makel oder ähnliches… wirklich ein guter Eindruck. Schwarz mit goldenen Beschlägen finde ich persönlich sehr edel, vielleicht wäre es noch edler in braun, aber das ist nun mal Geschmacksache. Schön wäre natürlich dann auch ein goldenes Gebiss, wir haben allerdings nur silberne, was aber auch nicht weiter auffällt… nur bei ganz genauer Betrachtung. 😉 Was allerdings nicht so wirklich Geschmacksache ist; Der Stirnriemen! 😀 Sehr… *hust* *räusper* nennen wir es mal „funktionell“. 😉 Ebenfalls einfarbig und GERADE – hat man das heutzutage noch? Also, erstmal Stirnriemen tauschen! 😀 Hierbei ist darauf zu achten, dass das Micklen nur über einen Riemen verfügt, der im Genick und an den Backen verläuft und somit sicher viele Stirnriemen rutschen, da bei konventionellen Trensen idR zwei Riemen (Reithalter und Genickstück) durch das Stirnband zu fädeln sind. Hier kann man aber leicht improvisieren und etwas dazwischen stopfen. :).

Was noch dabei war; Gebissclips, gepolsterter Kinnriemen und lange Riemen für die gebisslosen Zäumungsvarianten.

Zu den Clips… ganz ehrlich? Schmeißt sie in die Tonne! Ich habe sie erst gar nicht eingeschnallt, aber aus gutem Grund wie ich finde. Was soll eigentlich mit dem Gebiss im Pferdemaul passieren und wofür ist es da? Es soll locker im Maul liegen und eine weiche Verbindung zwischen Pferdemaul und Reiterhand ermöglichen. Die Gebissclips bewirken, dass das Gebiss starr(er) im Maul sitzt und sollen einer unruhigen Hand entgegenwirken… Also dann doch bitte erstmal Reitstunden an der Longe nehmen, an der unruhigen Hand arbeiten oder wirklich gebisslos reiten. Dies ist übrigens nur meine „persönliche“ Meinung und diese muss nicht geteilt werden. Es gibt sicher Reiter, die diese Clips toll finden und damit gut zurecht kommen. Bitte, gerne, aber nicht bei meinen Pferden. 😉

Der Kinnriemen und die langen Riemen sind für eine mittelstarke und eine starke gebisslose Zäumung gedacht. Auch das kann bei Horseware nachgelesen werden. Probiert habe ich jedoch nur die einfache gebisslose Variante ohne die zusätzlichen Riemen, da ich kein Freund davon bin, die zarten Köpfchen meiner Pferde rundherum zu verschnallen.

Mein erstes Reiten mit dem Micklem; Von Beginn an hatte ich das Gefühl, dass meine Stute schön Vorwärts Abwärts ging. Mit anderen Trensen habe ich momentan das „Problem“, dass sie mir sehr tief kommt. Bei dem Micklem trat sie beim ersten Mal wirklich schön ans Gebiss ran und ging schön auf Zug nach vorn. Auch bei weiteren „Reitversuchen“ hatte ich das Gefühl, dass sie weniger „maulig“ war und insgesamt zufriedener lief. Was mir außerdem immer wieder auffällt, dass sie mit dem Micklem besser abkaut und im Maul schäumt, obwohl wir ja nur die Zäumung, nicht das Gebiss getauscht haben.

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Was richtig cool ist; dass man das Multibridle eben auch als Kappzaum zum longieren verwenden kann. Herkömmliche Kappzäume sind doch immer sehr schwer und es liegt total viel am Pferdekopf an. Das Micklem dagegen ist sehr zierlich und schnell mit oder ohne Gebiss als Kappzaum eingesetzt, richtig klasse. 🙂

Die Uta Gräf Trense von der dt Saddlery; hatte ich mir damals passend zum Sattel angeschafft.

Qualitativ super hochwertig und extrem schick… darf man auch erwarten bei einer Trense, die weit über 200€ kostet.

Im Genickstück der Trense ist lt. dt ein Säckchen mit Kräutern eingearbeitet, welches die Losgelassenheit des Pferdes im Genick begünstigen soll und nervöse Pferde ebenfalls beruhigen soll. Die Wirkung dieser Kräuter soll – soweit ich mich recht entsinne – ca. 2 Jahre anhalten.

Nun gut, dafür habe ich mir die Trense nicht gekauft und meine Pferde sind ohnehin entspannt. 🙂

IMG_5821Was ich aber sehr angenehm finde, dass kein Verschluss am Pferd anliegt. Sowohl Nasenriemen als auch Backenstücke werden im Genick geführt. Alles ist super dick und weich unterlegt und zudem sieht die Trense in ihrer Bicolor Optik mit dem braunen Lack und den Swarovski-Kristallen auch noch überaus edel aus. Auch der Kehlriemen wird nicht an der Seite sonder in der Kehle verschnallt.

Die Trense gibt es farblich auch umgekehrt – braun unterlegt mit schwarzem Lack.

Ein weiteres Highlight sind die Lemico Zügel. Sehr schmal und überaus griffig. Schlagen jedoch mit über 50€ noch mal extra zu buche.

Aber missen möchte ich diese nicht mehr. Das sind wirklich die besten und qualitativ hochwertigsten Zügel, die mir je in die „Fittiche“ gelangt sind. 😉

Die PS of Sweden Trense; habe ich mir Ende 2017 gegönnt.

Hierbei handelt es sich um das Model Chamaeleon Revolution. Das besondere bei dieser Trense; vieles.

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Die Chamaeleon verfügt über einen gekletteten Unterleger vom Nasenriemen.
Hier gibt es vom Hersteller verschiedenfarbige, sodass man den Look der Trense variieren kann. Weiterhin verfügen die PS of Sweden Trensen über so genannte Cradles. Das sind Backenstücke, in denen das Gebiss mit einem Gummi geführt ist, sodass der Druck auf das Genick verringert wird und das Gebiss einen Gewissen Spielraum hat. Das Genickstück selbst ist meeega breit! Habe ich vorher so noch nie gesehen. Jedoch hat dies den Sinn, den Druck im Genick auf eine sehr große Fläche zu verteilen, außerdem sind auch hier die Ohren extrem ausgeschnitten, super!

Was außerdem sehr ungewöhnlich ist; man hat keinen Kehlriemen mehr. Hier sind aber zwei Riemen dabei, die man in den Druckknopf des Stirnbandes einschnallt, sodass man für LPO-Prüfungen auch mit dieser Trense reiten darf.

Weiterhin kann man quasi per „Klick“ die Stirnbänder wechseln, was ich persönlich super finde! Kein lästiges auseinander- und zusammenbauen mehr, wenn man gerade mal das Stirnband tauschen möchte.

Das ist übrigens auch beim Micklem super, da es im Genick nur über einen Riemen verfügt; d.h. kurz zwei Schnallen öffnen, Stirnband tauschen und wieder schließen. Geht im Vergleich zu anderen Trensen auch super fix.

Kurzum, eine tolle Trense, jedoch sicherlich nicht für jeden preislich interessant.

Die Trense kostet an die 400€ und hier sind noch kein Zügel dabei. Hinzu schlägt ein Stirnband – wer es glitzernd haben möchte – mit knappen 100€ zu buche und verschiedenfarbige Unterleger kosten auch noch mal 30€ (Set bestehend aus 3 Stück).

Aber was man auf jeden Fall noch festhalten muss; der Customer Service bei PS of Sweden ist womöglich der beste auf dieser Welt. Egal ob per Mail, Instagram etc… man bekommt rasend schnell eine Rückmeldung, die zudem auch noch überaus herzlich ist. Hier ist man wirklich um die Kundenzufriedenheit bemüht.

Mein Fazit

Wer gut und günstig eine Einsteiger- oder Zweit-Trense sucht, ist sicherlich mit dem Steppenpferd-Zaum oder ähnlichen gut bedient.

Wer was schickes für das Turnier oder eben auch für Zuhause sucht, hat mit dem Waldhausen-Zaum und der BR Trense ein schickes Teil.

Wer vielseitig sein möchte und auch mal Abwechslung im täglichen Training sucht, sollte sich unbedingt das Horseware Micklem Multibridle anschaffen… nicht vergessen; extra Stirnband bestellen. 😉 HIER gelangt ihr direkt zum Shop von Gege ReitSportVersand. Die haben alle Modelle und vor Allem geht der Versand blitzschnell, so hat man das Micklem dann auch schnell in seinen „Fittichen“. 🙂

Wer eine wirklich hochwertige Trense sucht und gerne wenig am Pferd anliegen hat, ist mit der Uta Gräf Trense von der dt Saddlery auf einem guten Kurs. Hier sind Funktion und Verarbeitung in absolutem Einklang.

Und wer nach einer „Luxus“-Trense mit der Möglichkeit nach etwas Abwechslung sucht und gut mal 400€ oder mehr ausgeben möchte, sollte sich einmal bei PS of Sweden umschauen. 😉

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